Während ihr das folgende lest, behaltet folgendes im Hinterkopf : Es ist wunderbar Geschichten und Erzählungen zu lauschen, wie jemand Berge erklommen, die Welt umrundet, Wunder erlebt hat, ... aber bisher ist noch niemand durch zuhören selbst dorthin gekommen. Ein Reiseführer kann erklären wohin man gehen muß und wie man dorthin kommt, aber trotzdem ist es immer an einem selbst, zu gehen.
Und der echte Spaß ist ohnehin das Gehen und weniger das Reden.
Hier werden nur einige Themen angeschnitten, um Grundlegendes darzustellen, und jene Punkte hervorgehoben, die sonst in Büchern nicht leicht zu finden sind. Es geht nur um ein paar kleine Prinzipien, um zu erklären was wir unterrichten, und warum wir es so unterrichten und nicht anders. Ein kurzer Einblick in Yoga-Philosophie, Systematik, Geschichtliches .... :
So mancher der zum ersten Mal zu einer Yoga-Klasse kommt, und entweder noch nie Yoga praktiziert hat oder einen anderen Stil kennt, wird leicht geschockt sein, wie anstrengend und 'körperlich' Yoga ist.
Vor allem jene, die bisher nur mit philosophischen Implikationen und Gedankenspielen und leichten, 'sanften' und nicht fordernden Asana konfrontiert wurden, kommen dann oft leider zu dem Schluß, daß es nichts anderes ist als ein neuer Fitnesstrend, der aus den USA importiert wurde, was es bei uns natürlich weiter Wert an verlieren läßt. Hier gleich vorweg : Yoga ist wesentlich mehr als Fitness & Stretching, wesentlich mehr als philosophische Lehre, wesentlich mehr als Entspannungstechniken, wesentlich mehr als Meditation oder was als solche bezeichnet wird, und auch keine religiöse Lehre. Vorurteile, vorschnelle Urteile und leider auch schlechte Erfahrungen gibt's zur Genüge.
Hier ein paar davon : Yoga ist 'sanft'; ist eine philosophische Lehre; etwas Zehen wackeln, Augen rollen, da sitzen und atmen; mit überkreutzten Beinen herumhüpfen (aus dem Fernsehen!); zur Entspannung da; Stretching; ist nur was für 'Warmduscher und Vegetarier' ein neuer Gesundheitstrend aus den USA; eine Religion; eine Sekte; Larifari-New Age ?; wird von halbnackten oder orange gewandeten Männern mit Bärten :-) betrieben und gelehrt, die sich dann Guru nennen; ...
Dies läßt sich beliebig fortsetzen.Vor allem die ersten paar davon sind bei uns häufig. Weitere finden sich unter Häufige Fragen.
Folgendes stimmt : Yoga ist sanft (i.e. nicht selbstaggressiv, aber trotzdem mit Anstrengung und Überwindung verbunden); hat eine Philosophie; beinhaltet leichte und schwierige Körper & Atemübungen; entspannt, dehnt, hält fit und gesund als Nebenwirkung; hat nichts mit 'Glauben' zu tun, ist also weder Religion noch Sekte, wirft aber ähnliche Fragen auf wie sie in Religionen vorkommen; ist viel zu alt für 'New Age' und braucht keine Gurus und Prediger sondern nur gute Lehrer und Übende. Ah ja, und Yoga kommt aus Asien (Indien). Auch Ashtanga Yoga (der Stil) ist Indisch, auch wenn es inzwischen wahrscheinlich mehr Nicht-Inder gibt als Inder, die es praktizieren. Bezüglich Sanftheit & Yoga lest bitte auch unter Häufige Fragen -Voraussetzungen, Schmerzen, Verletzungen, Stretching, Kraft vs. Sanft..
Ashtanga - Yoga :
Dieses System basiert (unter anderem) auf einer sehr praktischen, direkten Anleitung, die von Patanjali, einem Zeitgenossen Buddhas, in der Form von Sutren, kurzen & prägnanten Einzeilern, zusammengestellt wurde.
Patanjali gibt Erklärungen über und Anweisungen für etwas das gemeinhin als 'die menschliche Psyche' bezeichnet wird, was sie alles erreichen kann, wie das geht, wo eventuell Probleme auftreten könnten und wie man sie vermeidet bzw. wieder los wird.
Er prägt das Wort Ashtanga, die '8-Glieder' des Yoga - Systems :
- Yamas (Fünf davon, Weises Verhalten / Handeln im Verhältnis zur Umwelt)
- Niyamas (auch fünf, Weise Lebensweise)
- Asana (Körperstellung / Übung)
- Pranayama (Atem & Energieübung)
- Pratyahara (Verständnis der Sinne / 'Innensicht' / 'withdrawal of the senses')
- Dharana (Konzentration)
- Dhyana (Meditation)
- Samadhi ('Erleuchtung')
Yoga ist insofern ein System. Das heißt es hat einen Anfang, einen Weg und sich selbst als Ziel (den Zustand : Yoga), und hier prinzipiell zusammengestellt wie es funktioniert :
Ihr macht detaillierte, oft anstrengende Übungen, zusammen mit einer entspannten, tiefen und ruhigen Atmung (trotz anstrengender Übung), bewegt, bearbeitet, dehnt und öffnet den ganzen Körper. All das zusammen mit Focus & Aufmerksamkeit auf Atmung, Körper & wie ihr euch dabei fühlt und dabei auch ein intensives Training des Geistes und der Wahrnehmung. Erst durch die Verbindung all dessen schafft ihr die Möglichkeit für Yoga, die Auflösung der einzelnen Elemente.
Oder in anderen Worten : Yogasana & Pranayama brauchen für ihre korrekte Ausführung Pratyahara, Dharana, Yamas und Niyamas. Erst dann können sie (und der Yogi) sich zu Dhyana (Einswerden, Meditation) vereinen und ermöglichen Samadhi. Die letzten 2 Elemente (Dharana & Dhyana) können dabei übrigens nicht erarbeitet werden sondern 'passieren' / werden geschenkt nachdem die Voraussetzungen gegeben sind.
Die Yoga Sutren werden leider zu häufig als Grundregeln zitiert. Patanjali schreibt aber nicht über Regeln, sondern erklärt was auf was folgt.
Die 5 Yamas & Niyamas :
So zum Beispiel die 5 Yamas und 5 Niyamas (Eine Beschreibung & Deutung erfolgt später). Viele Schulen (Zweige, Stile) erheben sie in den Stand der '10-Yoga-Gebote', die eingehalten werden müssen.
Wir sehen die 5 Yamas und Niyamas, so paradox es für manche erstmals klingen mag, als Voraussetzung, die als Folge der Übung auftritt :
Wer intensiv mit Körper und Atmung arbeitet, und dadurch immer tiefer in den Zusammenhang zwischen den beiden und dem emotionalen und geistigen Zustand eindringt, findet sich selbst innerlich und äußerlich, also findet zu sich selbst und zum natürlichen Platz als Teil dieser Welt. Was Yama und Niyama ausdrücken, ist der natürliche Zustand. Dogmatik stellt sie von vornherein als widernatürliche Disziplinärmaßnahmen dar. Dadurch entstehen Spannungen & Schranken, die erst wieder überwunden werden müßten, was oft nicht mehr oder sehr schwer möglich ist, wie es kultursoziale und religiöse Vorgaben täglich eindrucksvoll zeigen.
Mit anderen Worten : Dogma entfremdet den 'göttlichen' (natürlichen) Kern vom Menschen und enthebt ihn zu etwas äußerem und unzugänglichem, und behauptet, daß dieser nur durch Befolgen der Dogmen erst wieder erlangt werden könne.
Sogar in der Psychologie hat sich das niedergeschlagen als zwei (von drei) Personen die 'uns' angeblich ausmachen : das 'ich' und das 'Über-ich'. Diese beiden stehen dabei in einem Spannungs- und Entfremdungszustand, wobei das 'Über-ich' dem 'ich' ständig vorhält wie unzulänglich es doch ist. Die ganz normale Schizophrenie. Das ist völlig richtig, nur wird es leider fälschlich als Normalzustand des Menschen definiert.
Yamas & Niyamas sind also nicht Regeln, sondern Weisheiten (oder maximal Ratschläge). Erkenntnis aufgrund der Übung. Die Erkenntnis, wie leicht das Leben sein kann, wenn man nur aufhört sich selbst Steine in den Weg zu legen, und was für Steine das sind.
...To be continued ....
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PS :
Eine sehr gute (die Beste bisher, und sicher besser als jede von mir sein könnte :) ) Interpretation von Patanjalis Yoga Sutren stammt von Godfrey Devereux und finden sich auf seiner Homepage.
Wobei Godfreys sonstige philosophische 'Rantings' nicht unbedingt denselben Stellenwert einnehmen müssen
. Man lese und denke selbst ....


