(6.11.2021 Lucas)

Die 'Yamas' gehjören zu den grundlegenden Erkenntnissen der Yogaphilosophie.
Sie werden oft als 'Verhaltens-kodex' gesehen, aber sind besser als Verhaltens-Weisheiten zu verstehen.
Es geht darum, in ihnen zu erkennen, wie unser Verhalten sich auf uns und unsere Umwelt auswirkt. Sie geben keine Regeln vor, sondern erklären Zusammenhänge und Wechselwirkungen.
Die Yamas haben eine homogen gerichtete Wirkung. D.h. sie haben immer eine Wirkung nach aussen, genauso eine Wirkung nach innen, sie reflektieren eine Wirkung von innen nach aussen und von aussen nach innen.
In ihnen selbst untrennbar zeigt sich unsere Verbundenheit. Yoga eben.

Hier ein kleiner Einblick, speziell bezogen auf die Fragestellungen, die durch die politischen Strömungen der heutigen Zeit aufgeworfen werden.

Wie können wir unser Handeln und Denken über das gesellschaftliche Phänomen 'Pandemie' in Einklang mit den Yamas bringen ?

Was sind also die einzelnen Yamas und wie stehen sie im Verhältnis zu unseren Handlungs-entscheidungen.

Ahimsa : aka  „konstruktives handeln“.

Typischerweise auch „nicht verletzendes Handeln“ oder „Gewaltfreies Handeln“. 
Diametral dazu liegen beispielsweise Verletzung, Gewalt,  Zwang, Gaslighting, Manipulation, ... die also alle einleuchtend als destruktiv bezeichent werden dürfen.
Grundlegend geht es bei Ahimsa also um eine Abschätzung, ob die eigene Handlung Schaden anrichtet oder auch nur kann. Sozusagen eine vollständige Nutzen / Risiko Analyse.

Welchen Vorteil sehe ich in meiner Handlung ? Für mich. Für meine Umwelt. Zerstöre ich oder baue ich auf. Welche Form soll meine Handlung annehmen, um das von mir gesuchte Ziel zu erreichen. Gibt es nur einen Weg, oder habe ich mehrere, und welcher ist 'besser'. Welcher Weg wird der effektivste, langfristig wirkende und auch von anderen akzeptierbare sein ?
Ich gehe einmal davon aus, dass meine Handlungen das Fundament der angestrebten Wirkung bilden !
Wie erhält sich diese danach. Wie stabil und fortdauernd wird die Wirkung sein ?

Wenn ich meine Handlungen mit Unterdrückung und Zwang beginne, kann ich eine andauernde Wirkung nur auch mit weiterer Unterdrückung und Zwang garantieren. Sobald ich den Zwang wieder aufhebe, kollabiert das Konstrukt, und ich stehe wieder am Anfang. Außer natürlich ich habe bereits alles zerstört. Dann bin ich gleich am Ende. Operation 'erfolgreich', Patient tot.

Was also wenn ich 'nur diesmal' anderen totalitär, als direkten oder so wie jetzt als noch indirekten Zwang, meine Entscheidung aufzwinge :
Dieser Eingriff in die Hoheit der Einzelnen (auch mit einem angenommenen oder gar 'bewiesenen' besseren Wissen), über ihre eigene Einschätzung ihrer Entscheidung, für sich und auch für alle anderen, ist bereits die erste Verletzung.
Ich verletze die eigene Verantwortung das 'eine mal' jedenfalls permanent und irreversibel, sonst könnte ich ja eine Entscheidung zurückgeben !?
Ich nehme aber nicht 'nur diesmal' die Entscheidung weg, sondern beeinträchtige oder zerstöre sogar die Entscheidungsfähigkeit, denn jede mögliche weitere Entscheidung basiert auch auf allen vorhergehenden.
Aller Wahrscheinlichkeit muss ich sowieso die Entscheidungs-Hoheit auch weiterhin behalten, und damit den anderen unterworfen belassen.

Abgesehen davon weiß niemand, was für jeden anderen Einzelnen gut wäre.
Medizinisch-wissenschaftlich kann keine Vorhersage gemacht werden, was für den Einzelnen gut wäre, da der Einzelne NICHT statistisch abgebildet wird !
Dies ist eine mathematische Tatsache, und die Mathematik ist eine exakte Wissenschaft. J
Es muss also (für Ahimsa) die Möglichkeit erhalten bleiben, dass wirklich jeder für sich selbst entscheiden kann.
Wer für andere entscheiden MUSS (nicht DARF – zb Eltern), muss auch die vollständige Verantwortung tragen.

Was also dann wäre mit Ahimsa statt dagegen ? : 
Konstruktiv, im Gegensatz zu den oben erwähnten Mitteln, wäre Überzeugung durch echtes Vorbild, Erklärung, Offenlegung und gewissenhafte Aufklärung.
Konstruktiv wäre ein echtes Auseinandersetzen und ins Verhältnis setzen der Gefahr der Krankheit,und aber auch ihrem Nutzen ! (i.e. überlegene Immunität), und auch dem Nutzen und Unnutzen (was nicht versprochen werden kann), den bekannten Schäden und möglichen Gefahren aller bisherigen und noch jetzigen Gegenmaßnahmen.
 
Die nötigen Entscheidungen können dann, und nur dann, ohne Zwang und Nötigung, durch alle SELBST nach ihrem besten Wissen und Gewissen getroffen werden. 

Vom Individuum zur Gemeinschaft :
Es ist übrigens sogar unklar, was als totalitäre Verordnung für die Gemeinschaft besser wäre, da die verschiedensten angerichteten summierten Schäden vs. den abgewendeten Schäden  vs.  dem erhofften Nutzen und dem erzielten Nutzen, allesamt  schwer bzw. überhaupt nicht messbar sind,  und auch niemals korrekt modelliert werden können. Dafür ist unsere Wissenschaft ungeeignet.
Wir sind keine Götter.
Entgegen der totalitären Bestimmung aber gibt es eine Chance :
Die Entscheidung, die wir für uns selbst treffen, ist beinahe immer auch die Entscheidung, die wir für andere die uns ähnlich sind, vorschlagen würden, und die damit auch nach unserer Überzeugung für die Gesellschaft am besten wäre. 

Nur die oben angegebene Offenlegung und Aufklärung, und die daraus entspringende Entscheidung der Einzelnen, für sich und damit in der Summe i.e. der Gesellschaft, kann überhaupt darauf hoffen, das gesamt-gemeinschaftlich Bessere entstehen zu lassen.

Aus obigem ergibt sich auch die Akzeptanz der Entscheidungen anderer.  Auch kann es also, wie damit bereits ersichtlich und jetzt nicht weiter ausgeführt, nicht eine zwingende (absolute) Unterwerfung des Individuums unter die Gesellschaft geben, die mit Ahimsa begründbar wäre. (wurde schon behauptet)
Das wäre nur der Fall wenn wir Götter wären, die absolut auch wissen, was denn eigentlich das Beste für jeden Einzelnen und alle tatsächlich ist.

Um es zu reduzieren auf eine 2-nicht-Götter-Gesellschaft : Opa und Enkel.
Würde Opa dem Enkel jemals vorschreiben oder ihn auch nur bitten, ein bekanntes (plus unbekanntes) Risiko für seine Gesundheit einzugehen, nur unter der Annahme, dass dies ein gesundheitliches Risiko für ihn (den Opa) selbst möglicherweise verringert?
Ich bin überzeugt, dass solche Opas nicht existieren. 

 Satya : aka „auf der Suche nach der Wahrheit“ 

Mediale Manipulation, das Verschweigen und falsche Wiedergeben von Informationen bis hin zu direkter Lüge verhindern die Wahrheitsfindung, die eigene wie auch die gemeinschaftliche.
Es ist schon in Ahimsa angeklungen, wie uns nur eine möglichst objektive, gut aufbereitete Information, inclusive aller auch negativen sicheren und möglichen Folgen, überhaupt befähigt sinnvoll zu handeln. Für uns und für Alle.
Die Suche nach der Wahrheit ist eigentlich ein Wissenschaftlicher Grundsatz. Wir werden die Wahrheit nie finden, aber wir müssen immer und dauernd, die von uns geglaubten Wahrheiten auf den Prüfstand stellen. Nur indem wir die Wahrheit ständig anzweifeln, und sie eigentlich zu widerlegen versuchen, können wir uns ihr zumindest langsam annähern.
Satya wird oft als 'die Wahrheit sprechen' karikiert. Dazu müssten wir sie aber erst kennen. Zumindest können wir versuchen nicht zu lügen. Im Yoga geht es wirklich eher darum sich mit der eigenen Verblendung auseinanderzusetzen, und sich damit in Richtung Wahrheit zu bewegen. Eigentlich genau so wie in der Wissenschaft.

Aparigraha : aka „loslassen“

- im Wesentlichen das Gegenteil von kontrollieren.
Kontrolle ist (nicht notwendigerweise immer un-) gut, aber Vertrauen ist oft besser !

Vor allem, wenn wir uns angewöhnen immer möglichst alles zu kontrollieren (ie. übermäßig), und auch beginnen, eine in die Grenzen andere eingreifende Kontrolle auszuüben, wird es höchste Zeit loszulassen.
Wir dürfen und werden immer versuchen etwas Kontrolle auszuüben.
Das Bedürfnis ist jedenfalls gegeben bestimmen zu dürfen, auch wenn eigentlich nichts unserer Kontrolle unterliegt. 
Wir wollen zumindest bestimmen dürfen was wir als unseres ansehen : Unser Leben, unser Handeln.
Es ist normal das eigene Leben in allen Facetten zu bestimmen / bestimmen zu wollen. Eventuell haben wir nur das eine ?

Der Glaube generell an Kontrolle und daraus der Versuch übermäßiger Kontrolle, und die dazugehörige Bindung an mehr und mehr Kontrollierbarkeiten führt aber in eine uns selbst schadende Angst.
Die ständige Angst, die Kontrolle zu verlieren, läuft der Panik, die bei Kontrollverlust entstehen würde, voraus.
Wir haben keine echte Kontrolle, deshalb auch wird uns der Versuch nie befriedigen.

Und natürlich gibt es vor allem Dinge, die wir offensichtlicher nicht kontrollieren können oder über die wir keine Kontroll - Erlaubnis haben. Offensichtlich sollte letzteres bei anderen Personen der Fall sein. Diese unterliegen ja ihrer eigenen Bestimmtheit, die wir ihnen nur durch Zwang einfach wegnehmen könnten.
Der noch erfolglosere Versuch, hier Kontrolle zu erlangen, schadet uns selbst als auch dem Gegenüber. Er reduziert das Gegenüber zu einem untergeordneten Wesen, über das ich Kontrolle ausüben will. Die Hierarchie / die Reduktion ist Voraussetzung für das Erlangen, aber sogar für das Verlangen, meiner  Kontrolle.

Im typischen Scheitern der Kontrolle entsteht und verstärkt sich Feindseligkeit und Entfremdung. Letztere war aber schon vorher da.
Aus der Angst  vor dem Unkontrollierbaren polarisiere ich bis ins Extrem hinein, erniedrige mein Gegenüber bis in die notwendigen Tiefen hinab, die mir scheinbar die Erlaubnis geben, meine Kontrolle sogar gewaltsam durchzusetzen.  An diesem Punkt sind wir derzeit schon in den ‚Sozialen Medien‘.

Ich möchte jetzt nicht abschweifend auf das ‚Detail‘ eingehen, wie das Verlangen nach übermäßiger Selbst-Kontrolle auch wohl verbunden sein dürfte mit einem starken Selbstzweifel und einer Selbst-Entfremdung. Wenn ich mit mir im Reinen bin, brauche ich mich nicht zu kontrollieren. Ich Ruhe in meiner Bestimmtheit. Dies unterscheidet sich maßgeblich von Kontrolle. Ich hab gehört, Yoga soll da helfen :)

Asteya :  aka „die individuellen  Grenzen anerkennen“

Obiges im typischen Sinne : "nicht Stehlen".
Ich glaube, nicht ausführen zu müssen, dass ich mit jedem Diebstahl die Grenzen anderer verletze, und umgekehrt, wenn ich die Grenzen von Individuen verletze, damit eine Form von Diebstahl begehe. Ich nehme meinem Gegenüber u.a. die Freiheit sich über die eigene Gesundheit zu entscheiden, indem ich meine Entscheidung übertrage.  Dies ist in dem Fall so eng verbunden mit der eigenen Fähigkeit, sich von der Übertragung der eigenen Entscheidung (Vorstellung, Meinung) auf andere zu lösen, dass es Aparigraha gleich kommt.
Sich davon zu lösen ist hier identisch damit, nicht in die Entscheidung anderer eingreifen zu müssen, und sie akzeptieren zu können.

Brahmacharya :  aka „die eigenen Werte leben“,

abgleitet von der Übersetzung : „mit sich selbst in Verbindung bleiben“. Nur in restriktiven Kulturen & Religionen muss das als 'Zölibat' oder 'Enthaltsamkeit' übersetzt werden. 
Brahmacharya ist ein grundlegender Lebenswandel, der das Innere und Äußere in Verbindung / im Einklang lässt.
Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt wie die Yamas eben unidirectional / homogen (hat jmd ein besseres Wort ?) wirken.
Brahmacharya vollendet sozusagen die Yamas, hebt die Untrennbarkeit von der Inneren und Äußeren, dem Individuellen und Gesamten, dar.
Darin auch enthalten ist die Untrennbarkeit der einzelnen Yamas. Es ist nicht möglich ein Yama zu missachten, ohne auch die anderen zu verletzen.

Brahmacharya ist die direkte Vereinbarkeit des Handelns mit der Absicht des Handelns. Da gibt es zB. kein : "Ich will ja nur dein Bestes" . "Ich muss dich einsperren, um dich zu schützen".

Brahmacharya ist der Spiegel in den wir jeden Tag blicken.
Sind wir im Einklang mit uns ? !